Deutschland-Vergaben KW 13/14 2026: 1,3 Milliarden Euro, 1.359 Zuschläge — die Top-Bewegungen aus den TED-Daten

Wir starten mit diesem Artikel ein neues Format: alle zwei Wochen ziehen wir die Contract Award Notices aus TED — der offiziellen EU-Datenbank für öffentliche Aufträge — und sortieren, was in Deutschland tatsächlich vergeben wurde. Wer hat gewonnen, in welchen Branchen, in welcher Groessenordnung. Reine Daten, eigene Einordnung, keine Geruechte.

Die Idee: Wer auf öffentliche Aufträge bietet (oder verkauft), soll alle zwei Wochen einen kurzen, faktischen Marktüberblick bekommen, ohne durch tausende einzelner Zuschlagsbekanntmachungen scrollen zu müssen.

Die Eckdaten

Erhebungszeitraum: 25. Maerz 2026 bis 8. April 2026 (KW 13 + 14). Quelle: TED API v3, Filterung auf buyer-country=DE, nur publizierte Contract Award Notices.

KennzahlWert
Anzahl Zuschlagsbekanntmachungen1.359
Gesamtvolumen (publizierter Werte)1.333.710.045 EUR
Eindeutige Gewinner-Firmen1.252
Durchschnittlicher Zuschlagswert (publiziert)~1,47 Mio EUR
Zuschläge ohne publizierten Wert453 (33,3 %)

Eine Beobachtung gleich zu Beginn: Ein Drittel der Zuschlagsbekanntmachungen enthaelt keinen Auftragswert. Das ist eine bewusste Auslassung — öffentliche Auftraggeber duerfen unter bestimmten Umstaenden den Wert verschweigen, etwa bei sensiblen Beschaffungen oder bei Rahmenvertraegen ohne festen Abrufwert. Aus Sicht der Markttransparenz ist das eine Luecke, die in der EU-Vergaberechtsreform regelmaessig diskutiert wird.

Branchen-Verteilung

Die Top-5-Kategorien decken zusammen knapp 80 Prozent aller Zuschläge ab:

KategorieZuschlägeVolumenAnteil am Gesamtvolumen
Bauleistungen (CPV 45)554505,9 Mio EUR37,9 %
Architektur, Ingenieurwesen, technische Dienstleistungen (CPV 71)245234,4 Mio EUR17,6 %
Sonstige168108,8 Mio EUR8,2 %
Abwasser, Abfall, Reinigung, Umwelt (CPV 90)7238,7 Mio EUR2,9 %
Verkehrsmittel, Fahrzeuge (CPV 34)7164,8 Mio EUR4,9 %

Zwei Sachen, die hier herausstechen:

Erstens, der Bauanteil dominiert. Mit 554 Zuschlägen und 506 Millionen Euro ist Bau in dieser Zwei-Wochen-Periode mehr als doppelt so gross wie die zweitgrößte Kategorie. Das passt zum saisonalen Muster — in Q2 starten viele Bauprojekte und entsprechend werden in Q1 die Vergaben erteilt. Wer Bauleistungen oder Bauleistungs-Zubehoer verkauft, hat hier seinen Markt.

Zweitens, Architektur und Ingenieurwesen ist das Hidden-Champion-Segment. 245 Zuschläge bedeuten im Schnitt 35 pro Wochentag — eine sehr regelmaessige Auftrags-Pipeline für Planungsbueros. Das durchschnittliche Auftragsvolumen liegt bei rund 956.000 Euro pro Zuschlag, also in einer Groessenordnung wo ein 5-15-Personen-Buero sich gut bewerben kann.

Die aktivsten Gewinner

Folgende Firmen haben in den 14 Tagen mehrere Zuschläge erhalten — gemessen an der Frequenz, nicht am Volumen:

#FirmaZuschlägeHauptkategorie
1Siemens Mobility GmbH8Verkehrsmittel
2ACP IT Solutions GmbH5Buerotechnik / IT
3Telekom Deutschland GmbH (Konsortium)4IT-Dienstleistungen
4Schnetkamp Strassen-Leiteinrichtungen GmbH4Bauleistungen
5ExperTeach Gesellschaft für Netzwerkkompetenz mbH4Sonstige
6Office Partner GmbH3Buerotechnik / IT
7Rosenbauer Deutschland GmbH3Verkehrsmittel (Feuerwehr-Fahrzeuge)

Was diese Liste interessant macht: Die Frequenz-Sieger sind nicht zwangslaeufig die Volumen-Sieger. Siemens Mobility hat acht Aufträge gewonnen, das Gesamtvolumen liegt aber nur bei 2,3 Millionen Euro — viele kleinere Wartungs- oder Ersatzteil-Aufträge. ACP IT Solutions hat dagegen mit fünf Zuschlägen über 41 Millionen Euro abgesahnt — durchschnittlich also 8,3 Millionen pro Auftrag, deutlich groessere Tickets.

Für Sales-Teams, die an öffentliche Auftragnehmer verkaufen (das ist der Use-Case aus unserem letzten Artikel zum Thema TED CAN als Sales-Intelligence), sind beide Profile relevant — aber aus unterschiedlichen Gruenden.

Die fünf größten Einzel-Zuschläge

  1. Deutsche Telekom Business Solutions / WiTCOM Konsortium — 84,8 Mio EUR (Radio, TV, Telekommunikation). Klassisches Telco-Konsortium-Geschaeft, vermutlich Glasfaser-Backbone für eine Stadt oder Region.
  2. bauwerk wettringen GmbH — 47,3 Mio EUR (Architektur/Ingenieurwesen). Ein einzelnes Generalplanungs- oder Realisierungs-Mandat in dieser Groessenordnung deutet auf ein groesseres öffentliches Bauvorhaben hin.
  3. ROBERTNEUN ARCHITEKTEN GmbH — 37,6 Mio EUR (Architektur/Ingenieurwesen).
  4. MBN GmbH — 31,2 Mio EUR (Bauleistungen). Klassisches Generalunternehmer-Auftragsvolumen für ein Bauwerk im mittleren zweistelligen Millionenbereich.
  5. PKE Verkehrstechnik GmbH — 30,8 Mio EUR (Bauleistungen). PKE ist im Bereich Sicherheits- und Verkehrstechnik aktiv — ein 30-Mio-Auftrag in dieser Kategorie bedeutet meist ein Tunnel-, Bruecken- oder Verkehrssteuerungs-Projekt.

Drei der fünf größten Einzelzuschlaege liegen im Bau/Planungsbereich — passt zur saisonalen Verteilung und zum oben festgehaltenen Bauanteil von 38 Prozent des Volumens.

Wert-Verteilung — wie gross sind die Aufträge?

Diese Verteilung ist für mittelstaendische Bieter relevant, die sich oft fragen: „In welcher Groessenklasse liegen die Aufträge, die für mich realistisch sind?"

WertklasseAnzahlAnteil aller Zuschläge
< 100.000 EUR24718,2 %
100.000 - 500.000 EUR34225,2 %
500.000 - 1 Mio EUR1229,0 %
1 - 5 Mio EUR13610,0 %
5 - 20 Mio EUR473,5 %
> 20 Mio EUR120,9 %
Wert nicht publiziert45333,3 %

Die mit Abstand größte Kategorie unter den publizierten Werten ist 100.000 - 500.000 Euro — 342 Zuschläge, über ein Viertel aller Aufträge. Das ist genau die Mittelstand-Zone: zu klein für GU-Konzerne, zu gross für Hobby-Bieter, ideal für 5-50-Mitarbeiter-Unternehmen mit funktionierender Vergabe-Infrastruktur.

Auf der anderen Seite des Spektrums: nur 12 Zuschläge über 20 Millionen Euro in 14 Tagen. Wer in diese Liga spielt, kennt seine Konkurrenz vermutlich persoenlich — das sind Konsortium-Geschaefte mit langer Vorlaufzeit.

Was im Vergleich zur Vorperiode auffaellt

Da dies die erste Ausgabe dieser Reihe ist, können wir noch keine direkte Vorperioden-Vergleich machen — das wird ab der nächsten Ausgabe kommen. Aus dem 90-Tage-Sample für Q1 2026 kennen wir aber den Erwartungswert: rund 2.500 Zuschläge pro Zwei-Wochen-Periode mit einem Volumen im Bereich von 3-4 Milliarden Euro. Gemessen daran ist unsere Stichprobe etwas unter dem Durchschnitt — möglich, dass die Osterfeiertage (Karfreitag fiel auf den 3. April 2026) die Veröffentlichung einiger Zuschläge nach hinten verschoben haben.

Nächste Ausgabe in zwei Wochen, dann mit echtem Period-over-Period.

Methodologie

Daten gezogen via TED API v3, gefiltert auf publication-date in den letzten 14 Tagen mit buyer-country=DEU. Aggregation pro Gewinner über Firmenname (mit weichem Fuzzy-Matching, weil „Siemens Mobility GmbH" und „SIEMENS Mobility" gleich behandelt werden sollen). Volumina sind die offiziell publizierten Auftragswerte; nicht-publizierte Werte fliessen in die Gesamt-Volumen-Zahl nicht ein. CPV-Klassifikation auf Division (zweistellig). Quelle TED, Lizenz CC BY 4.0.

Den vollständigen Mining-Code findest du im Open-Source-Stil im vorhergehenden Artikel zu TED CAN Sales Intelligence beschrieben — wer das selbst nachbauen will, kommt mit einem halben Tag Engineering aus.

Fazit

14 Tage, 1.359 Zuschläge, 1,3 Milliarden Euro, 1.252 unique Gewinnerfirmen. Bauleistungen und Architektur dominieren das Volumen, IT-Dienstleister wie ACP und Telekom haben einzelne grosse Tickets, der Mittelstand spielt vor allem im Segment 100k–500k Euro. Ein Drittel der Aufträge ist ohne publizierten Wert — eine bewusste Auslassung in der EU-Vergabe-Transparenz, die strukturell nicht behoben werden wird.

Wer aktiv auf öffentliche Aufträge bietet, kann diese Daten als groben Realitaets-Check für das eigene Marktfeld nutzen. Wer an öffentliche Auftragnehmer verkauft, findet hier eine konkurrenzlose Lead-Quelle — siehe unseren ausführlichen Guide zu TED Contract Award Notices als Sales-Intelligence.

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